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Im September 1792, entsandte König Georg III die erste britische Handelsdelegation nach China. Zu den 700 Abgesandten zählten Diplomaten, Maler, Musiker und sogar der Pilot eines Heißluftballons.
Auf drei großen Kriegsschiffen brachten sie die neuesten wissenschaftlichen und technischen Errungenschaften mit, um den chinesischen Kaiser Qianlong zu überzeugen, sein Land für den Handel mit dem Westen zu öffnen. Die britische Delegation unter Leitung von Lord George Macartney ertrug geduldig die monatelange chinesische Verzögerungstaktik und vertrieb sich die Zeit damit, das Land als Touristen zu erkunden. Zwei Tage von Peking entfernt erwartete die Engländer am Pass von Gubeikou ein Anblick, den nur wenige Europäer je gesehen hatten: Die Große Mauer, ein steinernes Monument, das sich über Berge, durch Täler und über die grünen Ebenen erstreckte.
Macartney glaubte, dies sei die erstaunlichste je von Menschenhand errichtete Struktur – eine Ansicht, die bis heute über die “Große Mauer” vorherrscht. Und so wurde ein Mythos geboren, der gleich für zwei Mauern gilt: Die real existierende und die geistige.
Seit der Ming-Dynastie (1368–1644 n.Chr.) hatte China sich völlig von der Außenwelt abzuschotten versucht. Die Verbotene Stadt war zum Gefängnis der dort lebenden Kaiser geworden. Obwohl riesige Mauern die Nordgrenze schützten, fanden die angreifenden Mongolen und später die Mandschu immer wieder Lücken. Einer der hartnäckigsten Gegner war Altan Khan (16. Jahrhundert), der sogar Peking belagerte – eine tiefe Demütigung für die Chinesen, da es zeigte, dass selbst ihre gewaltigen Mauern den erhofften Schutz nicht gewährleisten konnten.
Die Wälle wurden daher immer weiter vergrößert und mit stets neuen Festungen und Garnisonen bestückt. Schließlich reichte die Mauer bis zum Meer. Viele Fachleute arbeiteten an ihr, wie Architekten, Statiker und Maurer. Fronarbeiter wurden durch Soldaten ersetzt, die unter elenden Bedingungen für den Schutz ihres Landes schuften mussten. Die große Mauer umschloss ein rein chinesisches Universum und sollte es für alle Zeiten gegen fremde Einflüsse abriegeln.
Doch diese Haltung führte schließlich zum Untergang der Ming-Dynastie. Im Jahr 1644 übernahm ein mandschurischer Rebell den Drachenthron. Macartneys Mission im späten 18. Jahrhundert scheiterte kläglich, aber seine Einschätzung der Großen Mauer blieb in der westlichen Kultur tief verwurzelt. Dieser Mythos überschattet die wahre Geschichte der Großen Mauer bis heute. Sie war nie ein nationales Machtsymbol, sondern erinnert nur an eine Kultur, die sich völlig von der Außenwelt abschotten wollte.
Faszinierende und ungewöhnliche Aufnahmen der chinesischen Mauer in verschiedenen Jahreszeiten, sorgfältig nachgestellte Spielszenen, Computeranimationen und neueste wissenschaftliche Erkenntnisse ergänzen sich zu einem farbigen Gesamtbild einer der entscheidenden Phasen beim Bau von Chinas großer Mauer.