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Sie fressen alles, was sich unter ihren Mägen befindet. Und sie kommen in Scharen. Dornenkronen sind die Heuschrecken der Meere. Die gefräßigen Seesterne verspeisen in rasantem Tempo den größten lebenden Organismus der Welt: das Great Barrier Riff. Forscher und Naturschützer kämpfen für das einzigartige Ökosystem - ein Kampf mit ungewissem Ausgang.
Das Great Barrier Riff zählt zu den schönsten Tauchgebieten der Welt: Auf über 2000 km Länge siedeln Milliarden von Korallen, insgesamt über 40 verschieden Arten. Doch die Frage ist, wie lange sich das Riff noch gegen den räuberischen Seestern halten kann. Fakt ist: eine einzige Dornenkrone kann in einer Nacht etwa fünf Quadratmeter Korallenriff verwüsten. Und sie treten periodisch in riesigen Herden auf. Dann weiden mehrere Millionen Tieren zwei bis fünf Jahre lang die Riffe ab. 1968 / 1969 hat eine solche Seestern-Invasion in der Nähe von Guam 90 Prozent der dortigen Korallenriffe komplett vernichtet.
Unter Forschern wird das Thema "Dornenkrone" schon seit Jahren kontrovers diskutiert: Bedrohen die riesigen Massen der Stachelhäuter das Überleben des Great Barrier Riffs - oder ist es einfach ein zyklisch auftretendes Naturphänomen? Die australische Regierung verlässt sich jedenfalls darauf, dass die Natur sich selbst reguliert. Und wartet ab. Denn Warten kostet nichts.
Die Experten hingegen diskutieren sich seit 15 Jahren auf Konferenzen und in Forschungslaboren ihre Köpfe heiß, zerreden die Problematik und verschleppen die Antworten."Stecke zwei Wissenschaftler in einem Raum zusammen, und sie werden mit drei Fragen wieder herauskommen!" heißt es in einem lakonischen Kommentar unter Fachleuten. Die Ursachen des plötzlichen Massenauftretens der Dornenkrone sind nach wie vor unklar. Eine Theorie besagt, dass starke Regenfällen vermehrt Nährstoffe ins Meer spülen, was das Planktonwachstum begünstigt. Der Seesternnachwuchs hat somit mehr Nahrung zur Verfügung. Andere Theorien sehen in der Ausrottung natürlicher Fressfeinde oder in der zunehmenden Umweltbelastung mögliche Ursachen. Nur wenige Wissenschaftler handeln und bekämpfen den Seestern mit chemischen Substanzen - um die Invasion zu stoppen.