Sie müssen registriert und eingeloggt sein, um das Vollprogramm ansehen zu können. Registrieren Anmelden
Rennboote von heute sind Wunderwerke der Technik - doch bei Geschwindigkeiten von bis zu 321 km/h fährt die Gefahr immer mit. Überschläge, Zusammenstöße, technische Ausfälle, Explosionen: Während eines Speedboot-Rennens kann einfach alles passieren, egal wie erfahren und geschickt der Fahrer ist. Der Film "Science of Speedboat Accidents" zeigt die häufigsten Unfallarten im Wasserrennsport und gibt einen Überblick über die Lehren, die sowohl Bootsingenieure als auch Fahrer aus den sportlichen Katastrophen gezogen haben.
Die beliebtesten Disziplinen dieser "Powerboat-Rennen": Formel-Eins-Rennen, Offshore-Rennen, die auf offener See ausgetragen werden, und Unlimited-Hydroplane-Rennen - wobei "unlimited" auf eine unbegrenzte Bootsklasse verweist, die nur in den USA gefahren wird, "hydro" auf den Bootstyp und "plane" auf den Antrieb durch eine Flugzeugturbine. Doch der Nervenkitzel hat seinen Preis: trotz Sicherheitsvorkehrungen sind Unfälle an der Tagesordnung.
1987 hatte der legendäre Mike Seebold mit einem seiner leichten Formel-Eins-Boote einen spektakulären "Höhenflug": Während eines Rennens im englischen Bristol stieg sein Boot in die Luft und knallte mit dem Bug zuerst wieder ins Wasser - ein so genannter "stuff". Die Boot-Designer veränderten daraufhin die Gewichtsverteilung in den Rennbooten, um auch bei hohen Geschwindigkeiten eine Stabilität zu gewährleisten.
Zwei Jahre nach Mikes Unfall hob auch der walisische Rennfahrer Jon Jones vom Wasser ab: Unter seinem Boot entstand zu viel Auftrieb und es überschlug sich - ein häufiger Unfall, der allgemein als "blowover" bekannt ist. Um solche Überschläge zu verhindern, erfanden Bootsentwickler das so genannte "picklefork-Design", das den aerodynamischen Auftrieb wieder in Richtung Bootsheck lenkt.
Im gleichen Jahr stießen zwei Rennfahrer auf einer Rennstrecke in St. Louis, Missouri, zusammen: Der angriffslustige italienische Fahrer Guido Cappellini überholte den Amerikaner Jim Mackay in einer Innenkurve, als die Boote kollidierten und zerschellten. Um Fahrer in solchen Situationen zu schützen, entwickelten Designer ein Sicherheitscockpit, das direkt ins Boot eingebaut wird. Diese Maßnahme hat bis heute schon einigen Fahrern das Leben gerettet. Stefano Casiraghi, der italienische Ehemann von Prinzessin Carolin von Monaco, hatte indes nicht dieses Glück: 1990 fuhr mit seinem leistungsstarken Speedboot in den Tod. Durch das offene Cockpit war er dem Aufprall auf das Wasser schutzlos ausgeliefert. Diese sportliche Tragödie machte weltweit Schlagzeilen und rückte die Gefahren von Motorbootrennen ins Blickfeld der Öffentlichkeit.
Fünf Jahre später der nächste Aufsehen erregende Unfall: Während eines Rennens vor der sardinischen Küste blockierte der Gashebel des italienischen Formel-Eins-Weltmeisters Fabrizio Bocca. Unfähig, das Boot anzuhalten, riss er bei einer unglaublichen Geschwindigkeit das Steuer herum - und überschlug sich mehrmals um die eigene Achse. Dieses Ereignis erinnerte die Ingenieure eindringlich daran, wie wichtig der so genannte "Todesschalter" ist, der einen Motor innerhalb von Sekunden abschalten kann.
Am gefährlichsten und unberechenbarsten ist aber das Feuer. 1989 fing das Fiberglasboot von Guido Capellini bei einem Rennen in Bristol Feuer und brannte aufgrund der leichten Brennbarkeit des Materials ab. 1998 kam es vor der Küste Norwegens erneut zu einem spektakulären Unfall - das Boot von Offshore-Weltmeister Felix Seralles verlor Benzin und explodierte. Die Konsequenz dieser beiden Ereignisse: Speedboote verfügen mittlerweile über eine motorbetriebene Feuerlöschanlage und haben Feuerlöscher an Bord.
Doch trotz aller Gefahren werden die Rennfahrer von einem Wunsch getrieben: eine Klasse besser zu sein als alle anderen und die herrschenden Geschwindigkeitsrekorde zu brechen. Auch Russ Wicks, der im Jahr 2001 einen Geschwindigkeitsweltrekord aufstellte, ist solch ein "Speedjunkie". Um der Schnellste der Schnellen zu sein, fährt er die leistungsstarken "Unlimited Hydroplanes" - die Raketen unter den Speedbooten, angetrieben von Flugzeugturbinen.
"Science of Speedboat Accidents" erzählt eine faszinierende Geschichte von Technik, Geschwindigkeit und dem Ehrgeiz wagemutiger Männer, die sowohl an ihr Limit gehen als auch an das ihrer Maschinen. Dafür nehmen sie sogar die ständige Lebensgefahr in Kauf, die dieser Sport mit sich bringt. Der Zuschauer hingegen ist auf der sicheren Seite und kann sich ganz der Faszination dieser Sportart hingeben.